Chaos Tage in Essen

Die Stadt Essen zeichnet sich durch eine Innenstadt aus, die aus Geschäften und einigen größeren viereckigen Betonplätzen besteht. Nach Geschäftsschluss kommt eine friedhofsähnliche Ruhe über die City, man fragt sich, ob hier überhaupt Menschen leben. Insofern verwundert, dass die Punk-Szene sich nicht Bochum oder Düsseldorf, sondern ausgerechnet diesen Friedhof für ihr Treffen ausgesucht hat. Allein ein paar Überlebende im gegenüberliegenden Cafe Extrablatt versuchten den Eindruck zu erwecken, die Chaostage Essen hätten ein Publikum.
Nachdem sich mittags die ersten als Punks getarnten Schulkinder hippiemäßig (remember "Sit In"?) auf dem Kennedyplatz niederliessen, kamen ein paar als Polizistinnen getarnte Kindergartenpädagoginnen und erklärten, dass man sich bitte 10 m weiter wegsetzen möge, damit die zwei Schausteller, deren Kinderkarussels sich trostlos auf dem als Einkaufszone getarnten Friedhof drehten, keine Umsatzeinbußen erleiden. Die drei als Kinder getarnten Kleingespenster auf dem Karussell nahmen die Punks allerdings gar nicht wahr, sie hielten sie wohl für andere Kinder.
Aber die Punks nahmen ganz lieb Platz. Ich als nonkonformistischer Altpunk (auch: Althippie) verlangte lautstark nach Punk-Musik und schlug die Sex Pistols oder Clash vor. Aber niemand schien diese Worte zu kennen. Nur ein alkoholabhängiger norddeutscher Schläger mit Heavy Metal T-Shirt kam auf mich zu und forderte mich im Kontroletti-Fascho-Tonfall auf, mein Maul zu halten. Wäre die Polizei nicht präsent gewesen, hätte er seine faschistoide Gesinnung mit Schlägen entäußert.
Lustig war dann noch das Bierdosenwerfen, eine Art Schneeballschlacht mit Blech.
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