Einmal München und zurück

Chaos-Tage in München ist das erklärte Ziel der Jugendlichen. Punks aus ganz Deutschland und Europa mobilisieren seit Monaten im Internet zu dem „größten Punker-Treffen der Welt.“
Doch auch die Münchener Polizei macht mobil. Verdächtige Personen werden kontrolliert, es hagelt Platzverweise und die Krawallmacher werden wieder nach Hause geschickt. Wer sich nicht daran hält, wird von den Beamten in Gewahrsam genommen. Bisher ist die Lage entspannt. Möglicherweise wird es ein Wochenende wie jedes andere werden. Am Bahnhof treffen wir „Staubi“, ein ca. 15jähriges Mädel aus Hessen.
Mit vier Freunden ist sie nach München gekommen. Um nicht aufzufallen sind sie nicht zusammen ausgestiegen. Sie hatten sich einen Treffpunkt in der Nähe vom Hauptbahnhof ausgemacht. Doch zwei ihrer Freunde sitzen schon wieder in dem Zug nach Hause. „Ich hatte bis jetzt noch Glück“, sagt sie und: „Die Kontrollen sind wirklich hart.“
Warum sie nach München gekommen ist, wollen wir wissen. „Na wegen der Chaos-Tage“, sagt sie. „Aber nicht wegen Randale“, fügt sie hinzu. Mit ihren 15 Jahren sieht sie schon noch ein wenig unschuldig aus. Die verfilzten Haare sind rot gefärbt. Ihren Namen, „Staubi“, haben ihr die Freunde gegeben. Weil ihre Sachen „immer so staubig seien“, kichert sie.
Ein kleiner, unauffälliger Ohrring, „mehr hätten meine Eltern mir auf keinen Fall erlaubt". Party wollte sie in München haben, sich mit anderen Leuten treffen. „Gewalt ist nicht so mein Ding.“ Das mit den Straßenschlachten wären doch meistens nur ein paar Durchgeknallte, sagt sie. Und ob jemand mit Steinen wirft oder nicht, dass sollte jeder für sich selber entscheiden, meint sie und fügt schnippisch hinzu: „Ist ja ein freies Land.“
Aus der Zeitung habe sie von den Chaos-Tagen erfahren. Mit ein paar Freunden wurde dann die Reise nach München beschlossen und geplant. „Meine Eltern denken, ich wäre bei meiner Freundin“. Denn nach München hätten sie ihre Tochter sicher nicht fahren lassen. „Die haben halt Angst um mich“, und irgendwie findet sie das sogar schön.
Dann will sie los, „durch die Stadt ziehen“. Wir verabschieden uns. 200 Meter weiter wartet die nächste Kontrolle auf sie. Spätestens in einer halben Stunde sitzt sie wieder im Zug. Einmal München und zurück. Und alles ohne Chaos-Tage.
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